Interview mit Kyra Kauffmann zum Thema Hormonersatztherapie

Hormonersatztherapie: Ja? Nein? Vielleicht?

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Kyra Kaufmann ist seit über 20 Jahren als Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Hormone, Endokrinologie und Frauengesundheit tätig. Zusätzlich ist sie Autorin mehrerer Fachbücher zu hormonellen und metabolischen Themen und absolviert aktuell ein Medizinstudium. 

Diese Kombination aus naturheilkundlicher Praxiserfahrung, wissenschaftlicher Auseinandersetzung und schulmedizinischer Ausbildung ermöglicht ihr einen differenzierten Blick auf die Hormonersatztherapie. Im Interview ordnet sie Nutzen, Risiken und Grenzen bioidentischer Hormone ein, erklärt die physiologischen Hintergründe und räumt mit verbreiteten Fehlannahmen auf.

Kyras Expertise spiegelt sich auch in ihren Büchern wider, in denen sie komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich und wissenschaftlich fundiert aufbereitet. Dazu gehören unter anderem „Der Histamin-Irrtum“, „Jod – Schlüssel zur Gesundheit“ sowie „Klar im Kopf statt Nebel im Hirn“.

Ist eine Hormonersatztherapie gefährlich?

Hormonersatztherapie ist für viele Frauen bis heute ein Reizthema. Über Jahre wurde sie vor allem mit Risiken, insbesondere mit Brustkrebs, verknüpft. Diese Angst wirkt bis heute nach – oft unabhängig davon, wie sich die Studienlage inzwischen verändert hat. Gleichzeitig leben Frauen heute deutlich länger als noch vor wenigen Generationen.

Die Lebensphase nach dem Ende der Hormonproduktion der Eierstöcke beträgt nicht selten 25 bis 30 Jahre. Kyra Kaufmann macht im Interview deutlich, dass genau hier ein grundlegendes Missverständnis liegt: Die Natur hat den weiblichen Körper nicht auf diese lange postmenopausale Lebensspanne vorbereitet. Östradiol war über Jahrzehnte ein selbstverständlicher Bestandteil des weiblichen Körpers.

Fällt es weg, entsteht eine biologische Lücke, die nicht automatisch folgenlos bleibt. Deshalb geht es bei der Frage nach Hormonersatztherapie nicht um „ewige Jugend“, sondern um die Abwägung zwischen langfristiger Gesundheit, Lebensqualität und realistischen Risiken.

Wann beginnen die Wechseljahre?

Die Wechseljahre beginnen deutlich früher, als viele Frauen denken. Medizinisch bezeichnet die Menopause lediglich die letzte Regelblutung – sie ist ein Zeitpunkt, kein Zeitraum. Die Phase danach, die sogenannte Postmenopause, kann sich über zehn bis fünfzehn Jahre erstrecken. Bereits zu Beginn der Wechseljahre kommt es häufig zu ausgeprägten hormonellen Schwankungen: In einem Monat produzieren die Eierstöcke noch ausreichend Hormone, im nächsten deutlich weniger.

Dieses Auf und Ab macht eine Hormonersatztherapie in dieser Phase besonders anspruchsvoll. Deshalb sollte zunächst geprüft werden, ob sich hormonelle Dysbalancen in der frühen Phase der Wechseljahre naturheilkundlich, über Lebensstil und gezielte Mikronährstoffe regulieren lassen.

Warum ist Östradiol so wichtig für Frauen?

Östradiol ist das wirksamste Östrogen im weiblichen Körper. Über Jahrzehnte war der Organismus an seine Wirkung gewöhnt. Östradiol wirkt stark entzündungshemmend, schützt die Knochen vor übermäßigem Abbau, unterstützt die Elastizität der Gefäße und beeinflusst kognitive Funktionen im Gehirn. Kyra Kaufmann betont, dass der plötzliche Wegfall dieses Hormons für viele Frauen gravierender ist als der schleichende Alterungsprozess.

Der Körper verliert einen zentralen Schutzmechanismus. Besonders problematisch wird dies, wenn gleichzeitig weitere entzündliche Faktoren wie Schlafmangel, Stress, Darmprobleme oder Autoimmunerkrankungen hinzukommen. Genau hier liegt eine der großen Herausforderungen der Wechseljahre: Die Folgen des Hormonmangels machen sich nicht immer sofort bemerkbar, sondern entwickeln sich oft schleichend – und bleiben deshalb lange unerkannt.

Ich habe keine Wechseljahresbeschwerden!

Nicht jede Frau leidet unter klassischen Symptomen wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen. Das wird häufig als Zeichen gewertet, dass „alles gut läuft“. Kyra Kaufmann warnt jedoch ausdrücklich davor, fehlende Symptome mit fehlenden Risiken gleichzusetzen. Gerade Prozesse wie der beschleunigte Knochenabbau oder Veränderungen im Herz-Kreislauf-System verlaufen oft schleichend und ohne frühe Warnzeichen.

Frauen können sich subjektiv gesund fühlen und leistungsfähig bleiben, während sich im Hintergrund bereits Osteoporose oder erste Gefäßveränderungen entwickeln. Genau diese Diskrepanz zwischen subjektivem Befinden und objektiven Veränderungen macht die Wechseljahre medizinisch so anspruchsvoll – und erklärt, warum präventive Diagnostik in dieser Phase eine zentrale Rolle spielt.

Warum bekommen Frauen in den Wechseljahren Osteoporose?

Der Zusammenhang zwischen Östradiol und Knochengesundheit ist zentral. Östradiol bremst knochenabbauende Zellen und trägt wesentlich zum Erhalt der Knochensubstanz bei. Fällt dieses Hormon weg, beschleunigt sich der Knochenabbau deutlich – häufig unbemerkt und über viele Jahre hinweg. Kyra Kaufmann weist im Interview eindringlich darauf hin, dass Osteoporose eine massiv unterschätzte Volkskrankheit ist.

Ein erheblicher Anteil der Frauen erleidet im Laufe des Lebens Knochenabbau oder Knochenbrüche. Viele erhalten die Diagnose Osteoporose erst nach einem Knochenbruch. Osteoporose ist dabei keineswegs harmlos: Sie kann zu erheblichen Einschränkungen, Pflegebedürftigkeit und sogar zu einer erhöhten Sterblichkeit führen. Kyra betont, dass deutlich mehr Frauen an den Folgekomplikationen osteoporotischer Frakturen sterben als an Brustkrebs.

Wann sollte man eine Knochendichtemessung machen?

Ein zentrales Anliegen von Kyra Kaufmann ist die frühe und regelmäßige Knochendichtemessung. Sie kritisiert, dass die Frauen nicht aufgeklärt werden und Osteoporose oft erst dann diagnostiziert wird, wenn bereits ein Bruch vorliegt. Aus ihrer Sicht sollte spätestens ab dem 45. Lebensjahr eine erste Knochendichtemessung (DEXA) erfolgen – unabhängig davon, ob Beschwerden bestehen oder nicht.

Diese Messung sollte anschließend in der Regel alle fünf Jahre wiederholt werden, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Die Untersuchung ist unkompliziert, dauert nur wenige Minuten und geht mit einer sehr geringen Strahlenbelastung einher. Dennoch wird sie von den Krankenkassen meist erst dann übernommen, wenn bereits eine Osteoporose diagnostiziert wurde.

Gerade in der Phase der Wechseljahre liefert die Knochendichtemessung entscheidende Informationen für die weitere Strategie: Sie kann aufzeigen, ob Lebensstilmaßnahmen ausreichen oder ob zusätzliche Schritte – etwa eine gezielte Hormonersatztherapie – in Betracht gezogen werden sollten.

Was sind bioidentische Hormone?

Im Interview ist ausdrücklich nicht von synthetischen Hormonen die Rede, wie sie früher eingesetzt wurden. Bioidentische Hormone besitzen die gleiche molekulare Struktur wie körpereigene Hormone. Der Körper erkennt und verarbeitet sie anders als synthetische Präparate. Kyra Kaufmann verweist in diesem Zusammenhang auch auf die sogenannte Rimkus-Therapie, die von dem Gynäkologen Volker Rimkus geprägt wurde.

Sein Ansatz entstand aus der Unzufriedenheit mit den früher eingesetzten synthetischen Hormonen und verfolgt das Ziel, bioidentische Hormone individuell, niedrig dosiert und eng begleitet einzusetzen. Die Ausgangssubstanz für diese bioidentischen Hormone ist pflanzlich: Sie werden aus der Yamswurzel (Dioscorea) gewonnen und im Labor so umgewandelt, dass ihre Struktur exakt der körpereigenen Hormonstruktur entspricht. Sie werden individuell dosiert, meist transdermal angewendet, und orientieren sich an dem, was der Körper selbst über Jahrzehnte produziert hat.

Erhöht eine HET das Brustkrebsrisiko?

Die Angst vor Brustkrebs geht maßgeblich auf große Studien aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren zurück. In diesen Studien wurden überwiegend ältere Frauen untersucht, oft viele Jahre nach der Menopause, mit synthetischen Hormonen in fixer Dosierung und ohne individuelle Anpassung. Heute weiß man, dass diese Ergebnisse nicht pauschal auf moderne, bioidentische Hormonersatztherapien übertragbar sind.

Kyra Kaufmann betont, dass Östradiol nicht automatisch Brustkrebs verursacht. Viele Brustkrebserkrankungen treten in einer Lebensphase auf, in der der Östradiolspiegel bereits deutlich gesunken ist. Aus ihrer Sicht spricht das gegen eine einfache Ursache-Wirkungs-Logik. Insgesamt ist die Datenlage differenzierter, als sie lange dargestellt wurde.

Wann sollte man mit einer HET beginnen?

Häufig ist vom sogenannten „goldenen Fenster“ die Rede – einem Zeitraum, in dem der Beginn einer Hormonersatztherapie als besonders günstig gilt. Gemeint ist damit meist die Phase rund um die Menopause, in der der Körper noch nicht lange ohne Östradiol auskommen musste und die hormonellen Zielgewebe weiterhin gut auf das Hormon ansprechen.

Kyra Kaufmann warnt jedoch vor starren Altersgrenzen. Auch ein späterer Beginn kann unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein, etwa im Hinblick auf die Knochengesundheit. Entscheidend ist nicht das Lebensalter allein, sondern die individuelle Situation der Frau – einschließlich Knochendichte, Gefäßstatus und persönlichen Risikofaktoren.

Reichen Ernährung und Lebensstil in den Wechseljahren aus?

Ein gesunder Lebensstil bildet die Grundlage jeder Prävention. Krafttraining, ausreichend Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung und gezielte Mikronährstoffe sind unverzichtbar. Kyra Kaufmann macht im Interview jedoch deutlich, dass diese Maßnahmen den hormonellen Wegfall von Östradiol nicht vollständig kompensieren können.

Aus ihrer Sicht ist Östradiol kein optionales „Extra“, sondern ein essentielles Hormon, das dem weiblichen Körper über Jahrzehnte selbstverständlich zur Verfügung stand – vergleichbar mit Vitamin D, Bewegung oder einer ausreichenden Nährstoffversorgung. Fällt dieses Hormon weg, verliert der Körper einen zentralen Schutzfaktor. Eine Hormonersatztherapie kann deshalb, gut eingestellt und eng begleitet, auch langfristig sinnvoll sein.

Kyra Kaufmann betont, dass es dabei nicht um eine kurzfristige Linderung einzelner Symptome geht. Vielmehr kann eine Hormonersatztherapie für viele Frauen eine dauerhafte Maßnahme sein, um Knochen, Gefäße und das Gehirn auch im höheren Lebensalter zu schützen.

Für wen ist eine Hormonersatztherapie nicht geeignet?

Es gibt Situationen, in denen eine Hormonersatztherapie besonders sorgfältig geprüft oder gegebenenfalls vermieden werden sollte. Dazu zählen bestimmte Gerinnungsstörungen, etwa bekannte Thrombophilien wie Faktor‑V‑Leiden oder ein Protein‑C‑Mangel, sowie hormonabhängige Krebserkrankungen, bei denen eine HET individuell und sehr sorgfältig abzuwägen ist. Pauschale Verbote oder allgemeine Empfehlungen greifen hier zu kurz. Die Entscheidung sollte stets auf Grundlage einer fundierten Diagnostik und in enger ärztlicher Begleitung getroffen werden.

Ist eine Hormonersatztherapie für jede Frau gleich?

Kyra Kaufmann betont mehrfach, dass eine Hormonersatztherapie niemals nach dem Prinzip „one size fits all“ erfolgen darf. Frauen unterscheiden sich deutlich in ihrer hormonellen Ausgangslage, ihrer Zyklushistorie, ihrem Stoffwechsel und ihren individuellen Risikofaktoren. Vor Beginn einer HET ist aus ihrer Sicht eine sorgfältige Diagnostik unverzichtbar. Dazu gehören Hormonmessungen, die Einordnung der Beschwerden, eine Knochendichtemessung sowie die Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Gefäßstatus, Entzündungsneigung und Lebensstil.

Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob eine Hormonersatztherapie sinnvoll ist – und in welcher Form und Dosierung sie eingesetzt werden sollte. Gerade zu Beginn der Therapie ist eine enge Begleitung entscheidend. Die Wechseljahre sind von ausgeprägten hormonellen Schwankungen geprägt, sodass Dosierungen häufig angepasst werden müssen.

Kyra Kaufmann kritisiert Vorgehensweisen, bei denen Frauen ohne Messungen oder Verlaufskontrollen ein pauschales Standardrezept erhalten. Eine verantwortungsvolle Hormonersatztherapie bedeutet regelmäßige Kontrollen, behutsame Anpassungen und ein Vorgehen, das sich konsequent am individuellen Verlauf orientiert.

Welche Fragen sollten Frauen zur Hormonersatztherapie stellen?

Das Interview macht deutlich: Eine Hormonersatztherapie ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Sie ist kein pauschaler Weg, sondern eine individuelle Entscheidung, die dann sinnvoll sein kann, wenn sie gut informiert, sorgfältig abgewogen und fachlich begleitet wird. Kyra Kaufmann ermutigt Frauen dazu, diese Entscheidung nicht aus Angst, sondern aus Wissen heraus zu treffen.

Dazu gehört, den eigenen Körper besser zu verstehen und sich Fragen zu stellen wie: Wie steht es um meine Knochengesundheit? Wie belastbar sind meine Gefäße? Wie möchte ich mich heute und in zehn oder zwanzig Jahren fühlen? Aufklärung, eine ehrliche Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und eine gute Begleitung sind aus ihrer Sicht die entscheidenden Voraussetzungen, um einen Weg zu finden, der sich stimmig und sicher anfühlt.

Mehr zu Kyra Kauffmann:

Ich hoffe sehr, dass dieses Interview mit Kyra Kauffmann ein wenig Licht ins Dunkle bringen konnte.

Ich kann dir übrigens alle Bücher, die Kyra, zum Teil gemeinsam mit ihrem Mann Sascha Kauffmann geschrieben hat, sehr ans Herz legen. Zum Beispiel das Buch “Jod: Das Standardwerk zum vergessenen Heilmittel”  oder das Buch “Der Histamin-Irrtum: Weg von Radikaldiäten und Verbotslisten„.

Sehr empfehlenswert ist auch der Instagram-Kanals von Kyra und Sascha Kauffmann. Er heißt “Die_Hormonexperten„.

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