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Mehr InformationenBlutzuckerspitzen, also schnelle und steile Anstiege des Blutzuckerspiegels durch das, was du an zuckriger Nahrung zu dir nimmst, lösen eine Kettenreaktion im Körper aus. Dein Organismus besteht ja aus rund 30 Billionen Körperzellen, von denen jede einzelne mit dem gerade durch dein Blut strömenden Zucker umgehen muss.
Der Zucker wird über den Blutkreislauf ja im gesamten Körper verteilt und dient fast allen Zellen als Energiequelle. Deshalb wirken sich Blutzuckerspitzen auf den gesamten Organismus aus. In diesem Beitrag schauen wir uns an, was genau dabei im Körper passiert und warum das dann alles einen so großen Einfluss auf deinen Energielevel, dein Gelüste, deinen Fettstoffwechsel hat – aber vor allem, und das ist mir an dieser Stelle sehr viel wichtiger, auf deine Gesundheit.
Stell dir all das, was wir heute besprechen, wie eine Reihe von Dominosteinen vor. Der erste Stein, der umfällt, ist ein schneller Anstieg deines Blutzuckers, weil du Nahrung zu dir genommen hast, die viel Raketenzucker enthält. Also Zucker, der deinen Blutzucker rasant ansteigen lässt.
Wir gehen hier also jetzt nicht von einer ganz normalen Blutzuckerreaktion nach einer gesunden Mahlzeit aus, sondern von dramatischen Blutzuckerspitzen aus Sicht deines Körpers. Wir reden auch nicht von hier und da mal einer Blutzuckerspitze – das kriegt dein Körper schon hin –, sondern davon, wenn das chronisch über den ganzen Tag und so über Monate und Jahre passiert.
Viel Zucker im Blut: Freie Radikale & Verzuckerte Moleküle
Nach deiner zuckerreichen Mahlzeit schüttet die Bauchspeicheldrüse große Mengen Insulin aus. Das Insulin im Blut steigt jetzt deutlich stärker als nach dem Verzehr von Nahrung, die keinen Raketenzucker enthält. Lade dir gern auf meine Zuckerwürfelliste runter, falls du hier noch mal einen Überblick brauchst. Deine Körperzellen werden jetzt mit Zuckerenergie überflutet. Freie Radikale entstehen und der oxidative Stress nimmt zu. Moleküle werden verzuckert (Glykation) [2][3].
Das passiert bei jedem Brötchen – der Zucker steckt hier im Mehl –, bei jedem Löffel Marmelade, bei jedem Stück Kuchen und bei jeder Handvoll Gummibärchen. Es kommt nun natürlich darauf an, wie regelmäßig du zuckerhaltige Nahrung zu dir nimmst und wie diese Dominosteinreihe dann weiter verläuft. Langfristig kann ein chronisches Befeuern des Stoffwechsels mit Glukose bzw. Zucker den Weg in Richtung Stoffwechselstörungen, Insulinresistenz also eine Prä-Diabetes und Diabetes Typ 2 ebnen.
Blutzuckerspitzen in dieser Intensität gab es früher nicht!
Und nochmal: Natürlich nicht, wenn du hier und da mal eine Blutzuckerspitze hast. Obwohl unser Körper solche starken Blutzuckeranstiege erst seit rund 200 Jahren in dieser Häufigkeit und Intensität kennt – seit Zucker für jeden in größeren Mengen verfügbar ist – kommt er mit der einen oder anderen Blutzuckerspitze ganz gut zurecht.
Meine Recherchen zu dieser Episode haben ergeben, dass der tägliche Zuckerkonsum heute ca. 1000% höher ist als noch vor 200 Jahren. Wahnsinn. Kritisch wird es für unseren Körper immer genau dann, wenn etwas chronisch, also immer wieder, passiert – egal, ob es sich um Zucker, Stress oder Bewegungsmangel handelt.
Blutzuckerspitzen entstehen, wenn viel Glukose, also Zucker, in kurzer Zeit und mit hoher Geschwindigkeit ins Blut gelangt. In meinen Experimenten mit einer Blutzuckersonde – einem kleinen Sensor im Arm, der den Blutzucker permanent misst – konnte ich sehr gut beobachten, wie unterschiedlich mein Körper auf verschiedene Lebensmittel reagiert.
Ich kann dir versichern, dass er völlig entspannt bleibt, wenn ich den „Raketenzucker” draußen lasse. Wenn nicht, fährt auch mein Blutzucker Achterbahn – und das, obwohl ich einen völlig gesunden Zuckerstoffwechsel habe. Bei Menschen, deren Zuckerstoffwechsel schon angeschlagen ist, sieht das Bild dann noch dramatischer aus. Das heißt, die Blutzucker-Achterbahnen sind höher, steiler und beruhigen sich langsamer. Das wiederum bedeutet, dass Insulin viel länger im Blut bleibt bzw. die Bauchspeicheldrüse deutlich mehr arbeiten muss.
Wie wird eine Blutzuckerspitze gemessen?
Ein gesunder Nüchternblutzuckerwert liegt zwischen 80 und 100 mg Glucose/dl Blut. Nach einer Mahlzeit steigt der Wert normalerweise moderat an und sinkt innerhalb von ein bis zwei Stunden wieder in den Normalbereich zurück. Von einem gesunden Anstieg spricht man, wenn der Blutzucker nach dem Essen um nicht mehr als 30–40 mg/dl über dem Ausgangswert liegt. Werte, die deutlich darüber liegen, gelten bereits als Blutzuckerspitze [1].
Was passiert, wenn ständig zu viel Zucker auf einmal ankommt?
Und dann auch noch mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit! Lass uns das mal näher anschauen. Glukose dient in den Zellen als Energielieferant. In den Mitochondrien, den kleinen Kraftwerken der Zellen, wird aus Glukose Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) produziert. ATP ist eine chemische Form von Energie, die alle Zellen für ihre Arbeit nutzen. Und jetzt stell dir deine Körperzelle mal wie einen Kaminofen vor.
Wenn du genau die richtige Menge Holz hineinlegst, brennt das Feuer ruhig und gleichmäßig. Öffnest du jedoch immer wieder die Tür, um neues Holz nachzulegen, wird der Ofen mit zu viel Holzenergie – das ist in deiner Zelle die Zuckerenergie – überladen. Das Feuer beginnt zu qualmen und erlischt. Ähnlich passiert es in den Körperzellen: Wenn immer wieder große Mengen Glukose ankommen, obwohl die Mitochondrien diese Energie gar nicht verpacken können, geraten sie unter Stress. Genauer gesagt oxidativer Stress.
Wie entstehen freie Radikale und oxidativer Stress?
Bei dieser Überlastung der Mitochondrien entstehen Moleküle, die als freie Radikale bezeichnet werden. Sie sind chemisch instabil und reagieren recht aggressiv mit anderen Zellstrukturen. Man kann sich freie Radikale wie jemanden vorstellen, der bei einem eisigen Sturm einen Handschuh verloren hat. Um seine Hand zu schützen, versucht er, einem anderen Menschen den Handschuh zu entreißen.
Genauso „stehlen” freie Radikale Elektronen aus anderen Molekülen. Dabei werden Zellen, Eiweiße und sogar DNA-Strukturen beschädigt. Das kann dazu führen, dass wichtige Zellfunktionen gestört werden, beispielsweise dass Enzyme ihre Arbeit nicht mehr richtig erledigen oder Zellmembranen ihre Stabilität verlieren. Stelle dir das wie kleine Schäden in einer hochkomplexen Maschine vor. Wenn immer mehr Zahnräder beschädigt werden, läuft das System nicht mehr rund. Je häufiger solche Schäden entstehen, desto stärker gerät das Gleichgewicht der Zellen unter Druck.
Eiweiße im Körper „verzuckern“
Bei einem hohen Blutzuckerspiegel lagert sich dann auch noch Glukose an Eiweiße und andere Zellstrukturen an. Dieser Prozess wird Glykation genannt. Man kann sich das wie ein „Verkleben” oder „Verzuckern” von Molekülen vorstellen, wodurch ihre Funktion beeinträchtigt wird [2].
Wir haben im letzten Beitrag darüber gesprochen. Wie stark diese Moleküle verzuckert sind, siehst du am HbA1c-Wert.
Zur Erinnerung: Allein am HbA1c-Wert wirst du nicht erkennen, ob und inwieweit du bereits in einer Insulinresistenz bzw. in Diabetes Typ 2 steckst, weil die Bauchspeicheldrüse durch ihren verstärkten Einsatz den HbA1c-Wert noch ganze eine Weile im Referenzbereich halten kann. Lass deshalb bitte immer auch den HOMA-Index bestimmen. Dieser Wert kann wertvolle Hinweise darauf geben, ob bereits eine Insulinresistenz vorliegt.
Warum führen Blutzuckerspitzen zu Hunger und Heißhunger?
Die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus, um den Blutzuckerspiegel auf ein gesundes Niveau zu bringen. Allerdings „weiß“ die Bauchspeicheldrüse nicht, wie viel Zucker noch nachkommt. Wenn zum Beispiel ein Stück Kuchen in den Organismus gelangt, weiß sie ja nicht, ob du noch ein zweites isst. Deshalb schüttet sie lieber etwas mehr Insulin aus, als eigentlich nötig wäre. Sie geht auf Nummer sicher.
Die Folge ist, dass der Blutzucker anschließend stark absinkt – oft sogar unter den Ausgangswert, den du hattest, als du mit dem Essen begonnen hast. Sinkt der Blutzucker unter diesen Ausgangswert, meldet das Gehirn einen Energiemangel und schickt dich zum Bäcker oder zur Süßigkeitenschublade. Dein Körper zeigt dir somit sehr deutlich, dass er vor deinem Hunger- oder Heißhungeranfall mit Blutzuckerspitzen zu kämpfen hatte.
Warum machen Blutzuckerspitzen müde?
Denk noch mal an den Kamin, in dem das Feuer ausgeht. Wenn die Energieproduktion in den Zellen gestört ist, kann der Körper Energie weniger effizient bereitstellen – das Feuer geht aus und deine Energie schwindet. Paradoxerweise entsteht durch zu viel Zucker im System eine Situation, in der die Zellen zwar mit Energiebausteinen überschwemmt werden, diese aber nicht mehr effizient nutzen können.
Man könnte sagen: Die Zellen hungern, obwohl genug Energie da ist. Die Folge ist, dass du dich trotz ausreichender Energiezufuhr müde, schlapp oder unkonzentriert fühlst. Besteht zusätzlich bereits eine Insulinresistenz, verschärft sich dieses Problem. Zwar sind im Blut große Mengen Glukose und Insulin vorhanden, doch die Zellen reagieren jetzt zusätzlich schlecht auf das Insulinsignal. Dadurch wird der Zucker nicht mehr sauber und kontrolliert in die Zellen aufgenommen.
Es entsteht sowas wie ein Stoffwechselchaos. Genau das kann Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Brainfog zusätzlich verstärken.
Warum fördern Blutzuckerspitzen Entzündungen im Körper?
Wir haben eben schon über die freien Radikale gesprochen, die durch zu viel Zucker in den Mitochondrien entstehen. Dein Körper reagiert auf die Schäden durch freie Radikale, wie auf eine Verletzung: Es kommt zu Entzündungen, Entzündungsbotenstoffe alarmieren das Immunsystem, um Reparaturprozesse in Gang zu setzen.
Und jetzt entsteht ein klassisches Henne-Ei-Problem: Diese Entzündungsprozesse blockieren die Insulinrezeptoren der Zellen, was zu einer Insulinresistenz führen kann. Gleichzeitig sorgt die Insulinresistenz für einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, der wiederum neuen oxidativen Stress und Entzündungen befeuert. So entsteht ein gefährlicher Teufelskreis, der eine der Hauptursachen für die Entstehung von Diabetes Typ 2 darstellt. [3][4].
Zusammenfassung
Häufige Blutzuckerspitzen setzen eine Kettenreaktion im Körper in Gang, die von einem starken Insulinausstoß über oxidativen Stress bis hin zu Entzündungsprozessen reicht. Die gute Nachricht ist, dass sich all das, was wir heute besprochen haben, wieder beruhigt, wenn der Blutzucker in Balance kommt. Viele meiner Kundinnen berichten schon nach kurzer Zeit von mehr Energie, weniger Heißhunger und einem insgesamt stabileren Wohlbefinden.
Blick hinter die Kulissen!
Wie ich euch in der letzten Episode schon erzählt habe, habe ich eine Umfrage zu den Plänen meines neuen BLUTZUCKER-BALANCE-Programms gestartet. Und Leute, ich war so begeistert! Zum einen, weil sich so viele Frauen aus meiner Community an der Umfrage beteiligt haben, zum anderen, weil ich so viel aus den Antworten lernen durfte.
Eure Rückmeldungen haben mir gezeigt, wo der Schuh wirklich drückt. Hier ein paar Beispiele: Über 45 % von euch kennen ihre aktuellen Blutzuckerwerte gar nicht. 65 % kämpfen mit dem Gewicht und über 50 % leiden unter ständigem Energiemangel. Die größte Sorge fast aller Umfrageteilnehmer? Dass aus dem Auf und Ab des Blutzuckers irgendwann ein handfester Diabetes Typ 2 wird.
Besonders oft habt ihr geschrieben, dass Heißhunger und das Zurückfallen in alte Muster eure größten Hürden sind. Genau deshalb sitze ich gerade intensiv über den Inhalten und habe bereits mit den Planungen begonnen. Mein Ziel ist es, euch genau die Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen ihr euren Blutzucker in Balance bringt – ohne Verzicht und ohne zu hungern natürlich. ISS DICH GLÜCKLICH! soll auch hier Programm sein!
QUELLEN
- American Diabetes Association. Standards of Care in Diabetes—2024: Glycemic Targets. Diabetes Care. 2024;47(Suppl.1). https://doi.org/10.2337/dc24-S006
- Brownlee, M. (2001). The Pathobiology of Diabetic Complications: A Unifying Mechanism. Nature, 414, 813–820. https://doi.org/10.1038/414813a
- Monnier, L., Mas, E., Ginet, C., et al. (2006). Activation of Oxidative Stress by Acute Glucose Fluctuations Compared With Sustained Chronic Hyperglycemia in Patients With Type 2 Diabetes. JAMA, 295(14), 1681–1687. https://doi.org/10.1001/jama.295.14.1681
- DeFronzo, R. A. (2009). From the Triumvirate to the Ominous Octet: A New Paradigm for the Treatment of Type 2 Diabetes Mellitus. Diabetes, 58(4), 773–795. https://doi.org/10.2337/db09-9028
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