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Mehr InformationenDie Abnehmspritze hat ja im Grunde diese eine Funktion: Sie verstärkt und verlängert Sättigungssignale und dämpft so den Appetit. Tatsächlich ahmt der Wirkstoff in der Spritze eine Substanz nach, die dein Körper jeden Tag selbst produziert: GLP-1. Dieses Hormon gehört zu den wichtigsten Sättigungsbotenstoffen und hilft deinem Gehirn, zu registrieren, dass genug Energie vorhanden ist.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, welche alltagstauglichen Hebel du nutzen kannst, um die Wirkung deines körpereigenen GLP-1-Sättigungsbotenstoffs ganz natürlich zu verstärken. Schauen wir uns doch zunächst mal an, wie GLP-1 überhaupt wirkt.
GLP-1: So wirkt das Sättigungshormon auf deinen Appetit!
GLP-1 steht für „Glucagon-like Peptide-1“ und ist ein Darmhormon, das ausgeschüttet wird, wenn Nährstoffe im Darm ankommen. [1] Die Evolution hat GLP-1 allerdings nicht zum Abnehmen entwickelt, sondern als Teil eines fein abgestimmten Systems, das die Nahrungsaufnahme, die Sättigung, die Magenentleerung und die Blutzuckerregulation unterstützt. Sobald Nährstoffe im Darm ankommen, setzen spezialisierte Zellen in der Darmschleimhaut GLP-1 frei. [1] Das Hormon wirkt dann über drei unterschiedliche Wege:
In der Bauchspeicheldrüse: Du weißt ja schon – wenn der Blutzucker nach einer Mahlzeit ansteigt, wird auch Insulin ausgeschüttet, damit der Zucker in die Zellen geschleust werden kann. GLP-1 wirkt hier als Koordinator: Es sorgt dafür, dass die Bauchspeicheldrüse vor allem dann Insulin ausschüttet, wenn nach dem Essen tatsächlich mehr Zucker im Blut unterwegs ist.
Gleichzeitig zieht GLP-1 beim Glukagon die Handbremse, also bei dem Hormon, das sonst zusätzlich Zucker aus deinen Speichern ins Blut freisetzen würde. Unterm Strich bleibt der Blutzucker dadurch insgesamt stabiler. [1]
Im Gehirn: GLP-1 funkt direkt an den Vagusnerv in deinem Bauchraum. Dieser Nerv hat auch wieder spezielle Empfänger, also GLP-1-Rezeptoren, und leitet Sättigungssignale sehr schnell an Bereiche weiter, die den Appetit und das Sättigungsgefühl mitsteuern, zum Beispiel im Hirnstamm und im Hypothalamus. Sobald dieses Signal dort ankommt, registriert dein Gehirn: „Stopp, wir haben genug Energie, wir sind satt!“ [3]
Im Magen: GLP-1 wirkt hier wie ein Pförtner, der das Tempo der Magenentleerung reguliert. Es sorgt dafür, dass der Magen die Nahrung kontrolliert und schrittweise an den Darm weitergibt. Das Geniale daran ist, dass der Magen dadurch länger gefüllt bleibt und die Dehnungsreize der Magenwand ein Sättigungssignal an das Gehirn senden. [1]
Abnehmspritze: Der Unterschied zum natürlichen GLP-1
Der entscheidende Unterschied zum natürlichen Hormon ist ihre Wirkdauer. Unser körpereigenes GLP-1 ist sehr kurzlebig, weil es durch ein Enzym (DPP-4) innerhalb weniger Minuten abgebaut wird, sobald es seine Aufgabe erfüllt hat. [2] Die Wirkstoffe in den Abnehmspritzen wurden so verändert, dass sie je nach Präparat viele Stunden bis mehrere Tage wirken. Diese längere Wirkung kann den Appetit natürlich sehr deutlich und lange dämpfen.
Die gute Nachricht ist: Du kannst im Alltag ein paar Stellschrauben drehen, die deine GLP-1-Antwort unterstützen und so ebenfalls für verlässliche Sättigungssignale sorgen.
GLP-1 natürlich steigern? So geht’s!
Es gibt gut belegte Wege, wie du im Alltag Rahmenbedingungen schaffen kannst, die deine GLP-1-Antwort unterstützen. [1]
Iss Ballaststoffe, Proteine und gesunde Fette!
Ballaststoffe: Ballaststoffe sind Futter für deine Darmbakterien. Wenn sie dieses Futter verarbeiten, entstehen Signale im Darm, die das GLP-1 unterstützen können.
Gute Quellen: Hülsenfrüchte, Gemüse wie Zwiebeln, Topinambur, Spargel, Obst, wie Äpfel, Beeren, Körner, Kerne und Samen wie z.B. Leinsamen.
Wenn ich mir die Ernährungstagebücher meiner Teilnehmerinnen ansehe, fällt mir ziemlich oft auf, dass sie zu wenige Ballaststoffe zu sich nehmen.
Eiweiß: Auch Proteine regen nach dem Essen spezielle Sensoren im Darm an. Sie signalisieren den Darmzellen ebenfalls, vermehrt das Sättigungshormon GLP-1 auszuschütten.
Gute Quellen: Eier, Quark, Käse, Fisch, Tofu, Geflügel und Hülsenfrüchte.
Die Mindestmenge für Eiweiß liegt übrigens bei 1 g pro kg Körpergewicht, bezogen auf das Normalgewicht. Und es darf natürlich gern mehr sein als die Mindestmenge.
Gesunde Fette: Und wie soll es auch anders sein: Auch Fettsäuren signalisieren dem Darm, dass Energie geliefert wurde und verstärken so das Sättigungsgefühl.
Gute Quellen: Fisch, Olivenöl, Kokosöl, Nüsse, Samen, Kerne oder Avocados.
Sorge für glückliche Darmbakterien!
Je abwechslungsreicher du isst, desto vielfältiger ist deine Darmflora aufgebaut. Eine hohe bakterielle Vielfalt sorgt für eine gesunde Darmumgebung, in der die GLP-1-Sättigungssignale optimal funktionieren.
So bringst du Vielfalt in deinen Darm:
Fermentierte Lebensmittel als natürliche Probiotika. Fermentierte Lebensmittel sind voller nützlicher Bakterien. Integriere am besten täglich eine kleine Portion Sauerkraut, Kimchi, anderes fermentiertes Gemüse oder Kefir in deinen Speiseplan. Deine Darmbakterien lieben das!
Regenbogenfarben auf dem Teller: Gestalte deinen Teller so bunt wie möglich! Die verschiedenen Farben in Gemüse und Salat entstehen durch sogenannte Polyphenole. Diese Pflanzenstoffe sind echtes Spezialfutter für deine Darmflora. Das Spannende: Jede Farbe liefert andere Stoffe und füttert somit andere nützliche Bakterienstämme. Je bunter du isst, desto vielseitiger und gesünder wird dein Mikrobiom.
Schlafe 7-8 Stunden pro Nacht!
Ausreichend Schlaf ist ein echter Geheimtipp für deine Sättigung! Schläfst du zu wenig, schaltet dein Körper am nächsten Morgen auf „Energiemangel“. Die Folge: Der Appetit steigt. Studien belegen, dass Schlafmangel die wichtige GLP-1-Ausschüttung nach dem Essen dämpft.
Iss langsam!
Verdauung beginnt im Mund! Dein Körper braucht vom ersten Bissen an etwa 15 bis 20 Minuten, bis das Sättigungssignal im Gehirn ankommt. Wenn du dein Essen zu schnell hinunterschlingst, hast du vielleicht schon weit über deinen tatsächlichen Bedarf gegessen, bevor dein Kopf „Stopp!“ sagen kann.
Fazit & Ausblick
Der Hype um die Abnehmspritzen zeigt uns vor allem eines: Wie unglaublich schlau unser Körper ist. Die Medizin hat das Rad nicht neu erfunden, sondern sich bei Mutter Natur bedient. Deine ganz persönliche, eingebaute Sättigungshilfe GLP-1 wartet nur darauf, von dir aktiviert zu werden. Das gelingt dir, indem du deine Darmbakterien bunt fütterst, auf Proteine, gute Fette und Ballaststoffe setzt, genug schläfst und beim Essen einen Gang runterfährst.
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- Lee S, Lee YS, Choi S, Kim Y, Lee HJ. DPP-4 and the inactivation of GLP-1 (kurze Halbwertszeit von endogenem GLP‑1). (Review/Übersicht). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5401818/
- Brierley DI, Holt MK, Singh A, de Araujo A, Vergara M, Afaghani MH, et al. Reappraising the role of the vagus nerve in GLP-1-mediated regulation of eating. Br J Pharmacol. 2021. https://discovery.ucl.ac.uk/id/eprint/10132845/1/Brierley_bph.15603.pdf
- Benedict C, Hallschmid M, Lassen A, Mahnke C, Schultes B, Schiöth HB, Born J, Lange T. Acute sleep deprivation delays the GLP-1 response to breakfast. 2013. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3697408/
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