Wie das Fettspeicherhormon Insulin trotzdem seine Finger im Spiel haben kann!

 

In den letzten beiden Episoden haben wir uns die beiden Süßungsmittelgruppen

  • Zuckeraustauschstoffe wie Xylit und Erythrit und
  • Süßstoffe wie Aspartam und Stevia

angesehen.

Wir haben herauskristallisiert, dass es deutliche Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen gibt.

Spring gerne in die Folge 106 und 107 zurück.

Der gravierendste Unterschied ist, dass Zuckeraustauschstoffe einen eher natürlichen Ursprung und mit dem Zucker verwandt sind. Während die chemisch hergestellten Süßstoffe mit Zucker nichts mehr zu tun haben. Mit clean eating haben sie also nichts mehr zu tun.

Heute soll es um das sicher spannendste Thema dieser Süßungsmittelreihe gehen: Hilft ein Zuckerersatz, in welcher Form auch immer, beim Abnehmen?

Denn niemand experimentiert einfach so mit Xylit und Stevia herum. Den meisten geht es darum, den Zuckerkonsum zu senken, ohne auf den Geschmack süß zu verzichten. Geworben wird wieder mit der 0-Kalorien Geschichte.

Dass Kalorien zählen nicht beim Abnehmen hilft, haben wir in Episode 080 und 081 besprochen. 

Dieses  „Ach sind doch keine Kalorien drin“ denken verleitet Studien zufolge ausserdem dazu, mehr zu essen. Wenn man schon zig mal am Tag Kalorien eingespart hat, kann man ja ruhig öfter und mehr essen.

Und dann ist da noch die Henne oder Ei Frage:

 

In Studien wurde auch festgestellt, dass Zuckerersatz nicht beim Abnehmen hilft. Dass sie sogar dafür sorgen, dass der Mensch weiter zunimmt. Die Frage ist: Sind so viele Cola-Light und Süßstoff Fanatiker übergewichtig, weil sie das Zeug essen und trinken, um nicht weiter zuzunehmen? Oder werden sie dick, weil sie zu viel davon in ihren Mahlzeiten und vor allem dazwischen haben?

Meine Meinung: Ein Mensch, der sich gut ernährt, weitgehend auf ungesundes Zeug verzichtet, sich ausreichend bewegt und auch sonst ein gesundes Leben führt – braucht keine Lightprodukte. Ich beobachte eher, dass Menschen, die merken: Ohh, das wird mir jetzt echt zu viel auf der Waage, zum Zuckerersatz greifen. Weil sie auf den Geschmack süß nicht verzichten wollen. Oder nicht mehr drauf verzichten können.

Männer und Frauen, die (wieder) schlank sind und es bleiben wollen, kommen sicher auch in Versuchung, sich bei Backrezepten mit Xylit, Stevia & Co. zu behelfen. Am Ende werden wir feststellen, dass manchmal die Menge das Gift macht. Unser Körper kommt mit Dingen die ab und zu passieren (Stress, wenig Bewegung, schlechte Nahrung) ganz gut klar. Nur wenn dauernd was im Busch ist, was ihm so gar nicht gefällt, wird es brenzlig und ungesund.

Warum nicht jeder gleich auf künstlichen Zucker reagiert!

 

Wenn wir uns ansehen wollen, ob ein Zuckerersatz beim Abnehmen hilft, können wir nicht alle Menschen über einen Kamm scheren.

Bei Thema Abnehmen geht es in meiner Welt um den Makronährstoff Zucker. Um den Insulinanstieg im Blut sobald wir essen. Um das, was die Bauchspeicheldrüse so tut, wenn Zucker auf der Bildfläche erscheint. Und in dieser Episode, ob und wie sie wohl auf einen Zuckeraustauschstoff oder einen Süßstoff reagiert. Denn es reagiert nicht jede Bauchspeicheldrüse bei jedem Menschen gleich. Soviel schon mal vorab.

 

Der Zuckerstoffwechsel

 

Zucker bzw. Kohlenhydrate werde aufgenommen. Die Zunge meldet dem Gehirn: Ich schmecke süß! Das Gehirn informiert die Bauchspeicheldrüse: Da kommt gleich Zucker! Sieh zu, dass mein Blutzuckerspiegel auf einem gesunden Niveau bleibt. Gesund heißt: ungefähr ein gehäufter Teelöffel Zucker. Mehr sollte in unserem Blut nicht herumschwirren.

Alles darüber hinaus muss aus dem Blut gefischt werden. Das ist ganz leicht, wenn zum Beispiel eine Banane daher kommt. Der Zucker muss aus den Zellen der Banane erst ausgepackt werden. Das dauert. Die Bauchspeicheldrüse schickt ein paar ihrer Insulinmitarbeiter raus – die das ganz in Ruhe erledigen.

Ca. 60 Minuten später kommt der Zucker aus der Banane im Organismus an. Das fleißige Hormon Insulin macht sich auf den Weg, schnappt sich in aller Ruhe das, was zu viel ist und packt es in die Körperzellen. Dort wird Energie daraus gemacht. Sollte noch was übrig sein, wird es in die Speicher von Leber und Muskulatur gepackt.

 

Banane vs. Kuchen: So reagiert das Fettspeicherhormon Insulin!

 

Ein bisschen anders sieht es aus, wenn da jetzt statt der Banane ein Stück Kuchen reinkommt. Hier muss kein Zucker ausgepackt werden! Er ist in der Sekunde verfügbar, in der du den Schokoladenkuchen im Mund hast. Jetzt schreit dein Gehirn die Bauchspeicheldrüse an: Alarm! Frei verfügbarer Zucker. Der kommt ein einem Affenzahn ins Blut. Hau rein liebe Bauchspeicheldrüse! Schick alle Insulinmitarbeiter raus und stell um Gottes willen noch Leiharbeiter ein. Löse dieses Problem!

Es ist jetzt richtig Aufruhr im Körper. Du kriegst davon erst etwas später was mit. Denn deine Bauchspeicheldrüse weiß ja nicht, wie viel Kuchen da noch kommt. Und meint es viel zu gut mit dem Insulin.

Leider sinkt der Blutzuckerspiegel im Anschluss nicht so sanft, wie bei der Banane, sondern er fällt – dir in den Keller! Oft unter das Zuckerniveau, das du im Blut hattest, als du dir den Kuchen geschnappt hast.

Dein Gehirn bekommt Panik „0h, kein Zucker mehr im Blut“ und meldet: Zuckermangel! Obwohl du vor einer Stunde erst den Kuchen mit reichlich Zucker gefuttert hast. Das Gehirn ist auf Zucker (Glukose) angewiesen. Und schickt dich wenig später auf Nahrungssuche. Du bekommst Hunger, im schlimmsten Fall Heißhunger – auf was Süßes!

Wie der Geschmack süß Insulin aus dem Konzept bringt.

 

Schauen wir uns mal zwei Gruppen von Menschen an.

Gruppe A: In dieser Gruppe leben Menschen, die sich gesund ernähren, normalgewichtig sind und das bisschen Zucker, das sie in Koch- oder Backrezepten noch brauchen, mit einem Süßungsmittel ersetzen wollen.

Die Bauchspeicheldrüse dieser Menschen hat seit vielen Jahren keinen Stress. Zucker kommt meist in Form von Gemüse, Salat und Obst rein. Ab und zu gibts ein bisschen Raketenzucker wie Kuchen oder Pizza. Doch das ist die Ausnahme. Diese Bauchspeicheldrüse hat alles unter Kontrolle. Deshalb bringt sie ein bisschen Raketenzucker zwischendurch auch nicht aus der Fassung. Sie führt ein gechilltes Leben.

Gruppe B: In dieser Gruppe leben Menschen, die sich nicht gesund ernähren. Sie sind übergewichtig – und wir wissen ja schon: Das kommt vom Zucker bzw. vom Insulin! Raketenzucker ist nicht ab und zu in der Nahrung. Sondern täglich. Wenn es ganz blöd läuft: in jeder Mahlzeit.

Diese Bauchspeicheldrüse ist nicht nur kurz vorm Burn-out! Sie kommt auch immer mehr in eine Art „hab acht Stellung“. Was wir nie vergessen dürfen: Ein chronisch hoher Blutzuckerspiegel schadet der Gesundheit. Deine Bauchspeicheldrüse ist die Hauptverantwortliche für dieses Problem. Und will es unbedingt lösen.

Höre dir hier und hier gerne auch noch die Diabetes Typ 2 Folgen an, in denen ich diesen Mechanismus noch genauer erkläre.

Deine Bauchspeicheldrüse will kein Risiko eingehen. Wenn ein Mensch in dieser Gruppe schon seit einer langen Zeit mehrmals täglich Raketenzucker isst, schüttet sie auch zwischen den Mahlzeiten sicherheitshalber ein bisschen Insulin aus!

Hat dieser Mensch noch die Chance abzunehmen? Nein! Er muss erst aus dem Zuckerkreislauf raus!

Aus Episoden zum Thema Insulinresistenz weisst du schon, dass Insulin auch das Fettspeicherhormon genannt wird. Nur Insulin hat die Power, uns Fett auf die Hüften zu packen. Ist ab und zu ein wenig Insulin im Spiel, hast du die besten Chancen, dein Körpergewicht zu regulieren. Ist ständig eine Menge Insulin am Start, ist das so gut wie unmöglich.

 

Wie allein der Geschmack süß Insulin lockt!

 

So, diese Wiederholung musste sein.

Denn jetzt kann ich den Bogen zu den Süßungsmitteln spannen. Egal ob natürlich oder chemisch hergestellt! Die Zunge schmeckt wieder süß. Dem Gehirn wird gemeldet: Irgendwie komisch. Ich schmecke süß, aber – ist das Zucker? Ganz sicher bin ich mir aber nicht.

Die Bauchspeicheldrüse aus Gruppe A ist ganz gechillt und wartet erstmal ab. Sie kann das mit dem Insulin ja immer noch erledigen, wenn es dann doch ein Problem mit dem Blutzucker gibt.

 

Wie reagiert eine hypernervöse Bauchspeicheldrüse?

 

Die sowieso schon immer auf „Hab acht“ Stellung ist? Genau! Insulin ausschütten. Obwohl gar kein „richtiger“ Zucker auf dem Weg ist. Sicherheitshalber! Sie nimmt sich nicht die Zeit, darauf zu warten, ob es eine brenzlige Situation geben könnte oder nicht. Sie geht auf Nummer sicher – und schüttet Insulin aus. Zack: Fettverbrennung gehemmt.

Und jetzt stell dir jemanden aus dieser Gruppe vor, der mehrmals am Tag Süßungsmittel in Form von Lightgetränken zu sich nimmt.  Oder ständig mit Zuckerersatz in Koch- und Backrezepten arbeitet – und sich auf der sicheren Seite fühlt.

Dieser zugegebenermaßen sehr plastisch geschilderte Effekt wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Ein bisschen was zum Nachlesen findest du im Blogartikel zu dieser Episode.

Übrigens hat auch das Darmmikrobiom seine Probleme – vor allem mit Süßstoff. Studien konnten belegen, dass über eine mit Süßstoffen irritierte Darmflora stark reagiert. Sie ist gestresst. Was auch wieder den Blutzuckerspiegel erhöht.

Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen. Der beste Weg vom Zucker runter zu kommen, ist: vom Zucker runter zu kommen.
Hier und hier gebe ich dir die 5 wichtigsten Schritte an die Hand, um vom Zucker runter zu kommen.

Wenn du deine Zunge einmal vom Geschmack süß entwöhnt hast, brauchst du ihn nicht mehr so oft. Und wenn du deiner Bauchspeichseldrüse ein gechilltes Leben gönnst, spielt ein bisschen Xylit in dem eine oder anderen Backrezept keine Rolle mehr. Die Menge macht das Gift. Immer!

 

 

 

Weiterführende Links:
Das Ärzteblatt zum Thema „Süßstoffe als Stoffwechselrisiko“ 

Der Deutschlandfunk zum Thema „Diabetesrisiko – Vorsicht vor Süßstoffen“ 

w3punkt zum Thema „Toxische Wirkung künstlicher Süßstoffe auf Darmbakterien“ 

Shownotes: